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Offener Brief an Renate Schmidt, Stellvertretende Vorsitzende
der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
Zu Ihrem Artikel
Familienpolitik für das 21. Jahrhundert und im Zusammenhang
mit dem SPD-Leitantrag : Kinder-Familie-Zukunft
Wir freuen uns über ihre Aussage, dass Familie positive
Unterstützung durch die Politik erfahren muss. Wir teilen
voll und ganz diese Ihre Auffassung.
Sehr aufschlussreich finden wir Ihre Aussage, dass es keinen
einzigen Beleg dafür gibt, dass in den letzten 25 Jahren
höhere materielle Leistungen auch zu höheren Geburtenraten
führen. "Es gibt sowohl EU-Länder mit deutlich
höheren, als auch deutlich niedrigeren Leistungen für
Familien, die unabhängig davon alle höhere Geburtenraten
haben." Merkwürdig erscheint dann doch, dass Sie
den Rückschluß auf Kultur und Mentalität in
Bezug auf den Stellenwert einer Familie und aller einzelnen
Familienmitglieder ausgrenzen.
Eindeutig sehr einseitig ist, dass es zum Gründen einer
Familie nur einer Frau bedarf. Somit müsse man nur die
Situation der Frau verbessern, um ihren Bedürfnissen
gerecht zu werden und Schwups, schon sind wir das kinderreichste
Land der Erde! Also wir haben da schon mal aufgepasst, mal
was von Bienen, mal was vom Klapperstorch gehört. Aber
letztendlich haben wir gelernt, dass es zum Kinderkriegen
Frau und Mann bedarf. In unserer Gesellschaft bedeuten für
gottesanbeterisierte Männchen die Rahmenbedingungen zur
Familiengründung das Eingehen eines fatalen Risikos.
Besonders wenn das gekriegte Kind zur Wunderwaffe im Vernichtungskrieg
der Trennung wird. Kann dies nicht einer der Gründe sein,
dass troz sinkender Geburtenrate auch die gesellschaftsvermehrende
Samenspende herabgesetzt wird?
Für uns ist "Familie" nicht nur ein Randthema
sondern ein Kernthema für die Zukunft unserer Kinder
und unserer Gesellschaft. "Deutschland hinkt den Familienpolitiken
in den meisten EU-Staaten um mindestens 15 bis 20 Jahre nach."
lassen Sie in ihrem Artikel verlauten. Deutschland ist im
Familienrecht, Schlusslicht in Europa, sagt Prof. Jayme, Heidelberg.
Gleichzeitig erkennen Sie die steigende Anzahl von Ein-Eltern-Familien
und Patchworkfamilien. Erkennen Sie auch die steigende Unmenschlichkeit
und Problematik der deutschen Familienrechtspraxis und -mentalität?
"Es geht auch menschlich," sagt uns Bundeskanzler
Gerhard Schröder mit einem breiten Lächeln auf dem
Plakat im SPD-Bürgerbüro in Wilhelmshaven. Daher
stellt sich für uns die Frage, warum Sie in ihrem Ansatz
und Leitantrag für die Familie, die Menschlichkeit hübsch
unter den roten sozialdemokratischen Teppich kehren?
Nach einem internationalen Hungerstreik von Eltern und Großeltern
in Berlin für das Recht des Kindes auf beide Eltern und
beide Großelternpaare, setzen wir uns seit Wochen in
Wilhelmshaven in der Art und Weise wie Doris Schröder-Köpf
ein: Mit vollem Einsatz, ohne offizielles Mandat und mit großem
Engagement für Deutschland.
Die Verurteilung Deutschlands in familienrechtlichen Verfahren
durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
mit der Elsholz-Entscheidung vom Juli 2000 ist eine deutliche
rote Karte. Besuchsrecht ist Menschenrecht! Merkwürdig
nur, dass keine familienpolitische Teamsitzung stattfand.
Die Missetäter sind nicht des Feldes verwiesen worden.
Keine Richtlinien- und Strategieänderung zielt auf eine
Verbesserung der Situation ab. Es ist schon lange her, dass
wir Weltmeister geworden sind.
Als generelles gesellschaftliches Phänomen ist zu beobachten,
dass bei steigendem Materialismus und Egoismus auch die Unmenschlichkeit
und die Kinderfeindlichkeit zunimmt. Gleich in unserer unmittelbaren
Nachbarschaft können wir das Phänomen kinderreicherer
Ausländerfamilien beobachten. Öffnet man sich der
Kultur und Mentalität unserer Mitbürger, meistens
der Gruppe der Niedrigeinkommen zugehörig, begegnet man
einer anderen Menschlichkeit, Familienorientierung und sozialer
Mentalität.
"Es gibt," so lassen Sie verlauten "einen
signifikanten Zusammenhang zwischen der Geburtenrate und der
Erwerbsbeteiligung von Frauen." Es sticht Ihre Ausgrenzung
gemäß der vorherrschenden deutschen Rechtspraxis
ins Auge. Es ist die Ausgrenzung des zurückgebliebenen
Elternteils unter Diskriminierung der Rechte des Kindes aus
derer beiden Liebe und Leben. Kinder sollen einäugig
aufwachsen. Offenbart sich Ihnen nicht, dass es einen signifikanten
Zusammenhang zwischen Familienrecht und Geburtenrate gibt?
Norwegen, aufgelistet als Nr. 1 Ihrer Hitliste, wird auch
als das Land mit dem menschlichsten Familienrecht gepriesen.
"Liebe" ist ein Begriff, der in der UN-Kinderrechtskonvention
vorkommt. "Liebe" und "Vater" sind Begriffslücken
im deutschen Grundgesetz.
Aus der Missachtung der Menschenrechtsdimension bei Familiensachen
ergeben sich Völkerrechtsverletzungen bei internationalen
Kindesentführungen, die Gerhard Schröder mit der
Reaktion auf den Clinton-Besuch im Sommer 2000 eingestand.
Alles in allem unterzeichnen wir mit Brandtschen Stempel:
"Zur Arbeit für die Menschenrechte gehört das
Fegen vor der eigenen Tür." Hieß die Adresse
des Bundeskanzleramtes nicht Willy-Brandt-Straße 1?
Wohnt der Geist Willy Brandts nicht in diesem Haus? Die Politik
und Ihre Familienpolitik stehen in der Verantwortung.
Wir nehmen unsererseits den Auftrag des deutschen Grundgesetzes
wahr und setzen uns für den Schutz der Familie ein. Wir
würden uns freuen, Sie in unserer Allianz gegen den Terror,
der gegen unsere Familien verübt wird, begrüßen
zu können. Wir nehmen Missbrauch, Gewalt und seelische
Grausamkeit gegen unsere Kinder nicht hin. Wir sind für
eine gesunde Keimzelle des Staates. Lassen Sie uns gemeinsam
ein Heilmittel finden und mit folgenden Zutaten beginnen:
- Ihre Stellungnahme zum Anhang "Vaterland ohne Väter-
Wir kreuzigen den unheilig gewordenen Vater. Eine Dokumentation
des gesellschaftlichen Grauens."
- Einbeziehen der Problematik nationaler und internationaler
elterlicher Kindesentführung sowie des Haager Abkommens
in den SPD-Leitantrag und in die Familienpolitik der SPD
- Bundestagssitzung zur Wichtigkeit der Väter bei der
Erziehung ihrer Kinder und zur Väterrolle in unserer
Gesellschaft in Anlehnung an das Vorbild unseres großen
Bruders (siehe Resolution des US-Repräsentantenhauses
H. RES 417, 9. Juni 1998)
Mit freundlichen Grüßen
Hochachtungsvoll
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