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Seit 369 Tagen keinen Kontakt mehr
Hungerstreik: Väter und Mütter aus binationalen
Ehen kämpfen dafür, ihre Kinder wiederzusehen
Von Regina Köhler
Sie haben seit Tagen nichts mehr gegessen. Nun macht ihnen
auch noch das kalte, regnerische Wetter zu schaffen. Zusammengedrängt
stehen fünf Männer und eine Frau unter der Weltzeituhr
auf dem Alexanderplatz. Sie kommen aus Frankreich, Südafrika,
Kroatien und Deutschland. Sie haben Plakate dabei, auf denen
ihre Kinder abgebildet sind. Daneben die Zeit: Tage, Wochen,
Monate und Jahre, die diese Mütter und Väter ihre
Söhne und Töchter nicht mehr gesehen haben, weil
der jeweils andere Elternteil das nicht zulässt.
Auf dem Plakat von Bernd Uhl aus Berlin stehen 369 Tage.
So lange ist es her, seitdem er seinen dreijährigen Sohn
Josa zum letzten Mal in die Arme schließen konnte. Seine
aus Kanada stammende Frau kam im vergangenen Jahr nach einem
Urlaub in der Heimat einfach nicht mehr zurück. Das Kind
behielt sie bei sich. Uhl stellte daraufhin einen Antrag auf
Rückführung des Kindes. Er berief sich auf das Haager
Abkommen zum Kindesentzug, wonach Kinder, die im Ausland von
einem Elternteil «entführt» wurden, sofort
wieder ins Ursprungsland zurückgebracht werden müssen,
noch bevor lange Sorgerechtsstreitigkeiten entschieden worden
sind. Bis aber der Antrag an die kanadische Behörde weitergegeben
war und endlich ein deutscher Gerichtsentscheid vorlag, verging
viel Zeit. Die laut Haager Konvention geltende sechsmonatige
Rückführungsfrist verstrich. Kanada wurde zum so
genannten gewöhnlichen Aufenthaltsort des Kindes erklärt.
Uhl kämpft nun darum, seinen Sohn wenigstens sehen zu
können.
Gleiches will auch Olivier Karrer. Der Franzose demonstriert
gegen die hiesige Rechtsprechung. Seit seine Frau, mit der
er in Frankreich lebte, nach einen Deutschlandurlaub nicht
zurückkehrte und schließlich in Hamburg das alleinige
Sorgerecht zugesprochen bekam, darf er seinen Sohn Julian
(7) nicht mehr sehen. Das ist jetzt zwei Jahre her. Für
Karrer ein eindeutiger Verstoß gegen das Haager Abkommen,
dem Deutschland 1990 beitrat.
Der Hungerstreik begann am vergangenen Mittwoch auf dem Gendarmenmarkt
und soll nun unter der Weltzeituhr fortgeführt werden.
Damit kritisieren Françoise Dubord, Olivier Karrer,
Hervé Chapelliere, Michael Hickman, Josip Krajina und
Bernd Uhl - Jacques Rumieg und Richard Vikström streiken
in den USA - dass Deutschland die Haager Konvention zur Überführung
nicht einhalte. «Die deutsche Justiz beruft sich stattdessen
sehr oft auf eine Ausnahmereglung, wonach es gestattet ist,
die Kinder nicht zurückzuschicken, wenn ihr Wohl gefährdet
ist», so Karrer. «Das Wohl des Kindes steht bei
diesen Entscheidungen aber nicht im Mittelpunkt», betont
Michael Hickman aus Südafrika.
Die Teilnehmer der Aktion fordern nun, dass die deutsche
Regierung bis Jahresende dem Europäischen Parlament einen
Gesetzentwurf zur Schaffung eines europäischen Familiengesetzes
vorlegt, in dem ein Rechtsanspruch des Kindes auf beide Elternteile
verankert wird. «In 14 Tagen werden wir Justizministerin
Herta Däubler-Gmelin treffen, um über diese Forderung
zu diskutieren», so Karrer.
Holger Partikel unterstützt die Hungerstreikenden. Der
Berliner Jurist ist bei Sorgerechts- und Umgangsverfahren
seit Jahren als Verfahrenspfleger und Vermittler und somit
als «Anwalt» des Kindes tätig. Seiner Meinung
nach wird in Deutschland bei der Rechtsprechung in derartigen
Fällen viel zu wenig Wert auf die psychologisch-pädagogische
Seite gelegt. Gebraucht würden gut ausgebildete Umgangspfleger,
die in der Lage seien, den streitenden Eltern Einhalt zu gebieten,
klar für das Wohl des Kindes einzutreten und beteiligte
Anwälte daran zu hindern, den Streit noch aufzuschaukeln,
damit es am Ende einen Sieger gibt. «Im deutschen Kindschaftsrecht
von 1998 heißt es, dass das Kind ein Recht auf den Umgang
mit beiden Elternteilen hat. Das ist verbindlich.»
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Since 369 days no contact anymore
Hungerstrike: Fathers and mothers from binational marriages
are fighting for seeing their children again
By Regina Köhler
They have not been eating anything since days. Now the cold,
rainy weather handicaps them additionally. Five men and one
woman are standing crowded together under the World's Clockwork
on the Alexanderplatz. They come from France, South Africa,
Croatia and Germany. They have posters on which are represented
pictures of their children. Next to, the time: days, weeks,
months and years in which those mothers and fathers have not
seen their sons and daughters, because the other parent does
not allow.
On the poster of Bernd Uhl from Berlin are written 369 days.
So long it has been, since he could take his 3-years-old son
Josa in his arms for the last time. His wife, from Canada,
simply did not come back from a vacation trip into her native
land last year. She kept the child with her. Thereupon, Uhl
made an application for the return of his child. He referred
to the Hague Convention on child abduction, whereupon children,
who were "kidnapped" abroad by a parent, have to
be returned immediately to their country of origin, before
longish custody disputes have been decided. But until the
application had been transmitted to the Canadian authority
and a German court order was finally produced, much time went
by. The period of return - six months according to the Hague
Convention - passed off. Canada was declared to be the so
called usual abode of the child. Now, Uhl fights for seeing
his son at least.
Olivier Karrer wants the same. The Frenchman demonstrates
against the local legal practice. Since his wife, with which
he lived in France, did not come back from a vacation trip
to Germany, and finally was adjudged to the sole custody in
Hamburg, he is not allowed to see his son Julian (7) anymore.
Since that, two years have passed. To Karrer, this is a clear
violation of the Hague Convention which Germany joined in
1990.
The hungerstrike started last Wednesday on the Gendarmenmarkt
and is going to be continued under the World's Clockwork.
Therewith, Françoise Dubord, Olivier Karrer, Hervé
Chapelliere, Michael Hickman, Josip Krajina and Bernd Uhl
- Jacques Rumieg and Richard Vikström are striking in
the USA - criticize that Germany does not observe the Hague
Convention about return. "Instead, the German judiciary
refers very often to an exception paragraph, whereupon it
is permitted not to return the children if their well-being
is in danger", so Karrer. "However, these decisions
are not focussed on the well-being of the child", stresses
Michael Hickmann from South Africa.
Now, the participants of that action claim that until the
end of the year, the German government presents to the European
Parlament a draft law for the creation of a European family
law, wherein a legal claim of the child for both parents will
be established. "In 14 days we will meet with the Minister
of Justice, Herta Däubler-Gmelin, to discuss this claim",
so Karrer.
Holger Partikel supports the hungerstrikers. Since years,
the jurist from Berlin acts in custody and visitation proceedings
as a procedural guardian and mediator, and thus as a "lawyer"
of the child. In his opinion, the legal practice in Germany
does not attach enough importance at all to the psychological-pedagogical
aspect of such cases. In needing would be well-trained visitation
guardians, who would be able to stop the fighting parents,
to advocate clearly the well-being of the child, and to prevent
involved lawyers from stiring up the dispute, so that there
is a winner at the end. "The German law of childrenship
from 1998 says, that the child has the right to personal contact
with both parents. This is binding."
Translation: M. Schüller
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