Denied parents driven to fasting - Hunger strike challenges German courts' custody practice
© The Guardian
04.08.2001

 

Denied parents driven to fasting

Hunger strike challenges German courts' custody practice

By Kate Connolly in Berlin

Michael Hickman has not eaten for 23 days. Tired out and gaunt, he tells his painful story for the umpteenth time, although it fails to
quell his anger.

Around his neck a plastic notice says '2018, 3'. The 48-year-old South African environmental manager lost his children five and a half years - or 2,018 days - ago, when his German wife took them to Germany. Since then he has seen them only three times - hence the '3'.

And there is little indication that the German justice system will ever return them to him.

Mr Hickman is one of about two dozen parents who have spent more than three weeks on hunger strike in the Alexanderplatz in Berlin in an effort to shame Germany into allowing them access to their children, who were all taken in child-custody disputes.

The parents, from Canada, Croatia, Thailand, France, Poland, South Africa, the US and Germany, three of them mothers, say they will starve themselves until they see some sign that the government is interested in their plight.

Germany is accused of being a consistent violator of international treaties on the rights of children, particularly the Hague convention,
which it ratified in 1990.

The convention says that foreign courts must return abducted childrens to their custodial parents.

According to the office of regional statistics, 50% of the 150,000 children caught up in custody disputes in Germany do not see one of
their parents during the first year.

After the third year the figure rises to 70%.

The parents' lawyers argue that there is no common understanding in Germany of a child need for access to both parents after a divorce.

As a result, although the concept and benefits of joint custody are enshrined in a 1998 family law, in practice courts prefer to rule in
favour of single-parent custody, particularly in cases involving foreigners with German spouses.

"There is a prevailing inhumane view of the family which shows this is still a totalitarian society," said Matthias Bloch, a family rights
lawyer who is fighting on behalf of some of the striking parents. "If the family breaks up due to divorce, the preferred idea is to make a
completely new unit."

The child can be forced to change its name to that of a new partner, described as the "social" father or mother, and the old partner is excluded from the unit. Any attempt by the old partner to disturb this arrangement can mean a further curtailment of his or her rights.

"The Germans hate disorder, so this neat arrangement suits them very well," Mr Bloch added.

As a result many parents are prevented from seeing their children, often for years on end.

Michael Hickman's wife, Nicola, took their two children, John Michael and Sebastian, back to Germany in January 1996.

Since then Mr Hickman has been fighting the courts in vain for, at the very least, access to his children, now 11 and eight.

He has spent £150,000 so far trying to retrieve his children, and his business has almost collapsed. Once, when he tried to visit them at his parents-in-laws' house, armed riot police arrived and arrested him.

The few times he managed to see his children at the local youth office, he says, they talked in quick whispers and were petrified and distressed by the social workers who sat in on the brief sessions. So he stopped seeking the sessions.

The parents have resorted to starving themselves as a last resort, he added.

"Our hunger strike is the only way left for us to get justice in the most inhumane system in the world, as everything else has failed."

The German media have all but ignored the hunger strike. The parents say that government pressure has been put on television stations not to broadcast the story.

Abgewiesene Eltern zum Fasten getrieben / Hungerstreik sagt der Sorgerechtspraxis der deutschen Gerichte den Kampf an
© The Guardian
04.08.2001

Abgewiesene Eltern zum Fasten getrieben

Hungerstreik sagt der Sorgerechtspraxis der deutschen Gerichte den Kampf an

Von Kate Connolly in Berlin

Michael Hickman hat 23 Tage lang nichts gegessen. Übernächtigt und mager erzählt er seine schmerzhafte Geschichte zum x-ten Mal, obwohl es seinen Zorn nicht besänftigt.

Auf einem Kunststoffschild um seinen Hals steht: '2018, 3'. Der 48-jährige südafrikanische Umwelt-Manager verlor seine Kinder vor fünfeinhalb Jahren - oder 2'018 Tagen - , als seine deutsche Frau sie nach Deutschland mitnahm. Seither hat er sie nur dreimal gesehen - daher die '3'.

Und es gibt kaum Anzeichen dafür, dass das deutsche Justizsystem sie ihm je zurückgeben wird.

Herr Hickman ist einer von etwa zwei dutzend Eltern, die mehr als drei Wochen im Hungerstreik auf dem Alexanderplatz in Berlin verbracht haben, im Bestreben, Deutschland zu beschämen, damit ihnen der Zugang zu ihren Kindern erlaubt wird, die alle im Streit um das Sorgerecht genommen wurden.

Die Eltern stammen aus Kanada, Kroatien, Thailand, Frankreich, Polen, Südafrika, den USA und Deutschland, drei davon sind Mütter. Sie sagen, dass sie hungern werden, bis sie Anzeichen dafür sehen, dass die Regierung sich für ihre Notlage interessiert.

Deutschland wird beschuldigt, internationale Verträge über die Rechte des Kindes beständig zu verletzen - vor allem die Haager Konvention, welche es 1990 ratifizierte.

Die Konvention besagt, dass ausländische Gerichte entführte Kinder an ihre sorgeberechtigten Elternteile zurückgeben müssen.

Nach Angaben des statistischen Landesamtes sehen 50% der 150'000 in Deutschland in einen Sorgerechtsstreit verwickelten Kinder einen ihrer Elternteile im Laufe des ersten Jahres nicht.

Nach dem dritten Jahr steigt die Zahl auf 70%.

Die Anwälte der Eltern legen dar, dass es in Deutschland keine allgemeine Einsicht gibt, dass ein Kind nach einer Scheidung Zugang zu beiden Eltern braucht.

Das Ergebnis ist, dass - obwohl das Konzept und die Vorteile des gemeinsamen Sorgerechts im Familiengesetzt von 1998 eingetragen sind - die Gerichte es in der Praxis vorziehen, das Eineltern-Sorgerecht zu verfügen, besonders in Fällen von Ausländern mit deutschem Ehepartner.

"Es gibt eine vorherrschende unmenschliche Sicht der Familie, die zeigt, dass dies immer noch eine totalitäre Gesellschaft ist," sagte Matthias Bloch, ein Anwalt für Familienrecht, der im Auftrag einiger der streikenden Eltern kämpft. "Wenn die Familie wegen einer Scheidung zerbricht, so ist der bevorzugte Gedanke, eine völlig neue Einheit herzustellen."

Das Kind kann gezwungen werden, seinen Namen in den eines neuen Partners umzuändern, welcher als der oder die "soziale" Vater oder Mutter beschrieben wird, und der alte Partner wird aus der Einheit ausgeschlossen. Jeder Versuch des alten Partners, diese Ordnung zu stören, kann eine weitere Kürzung seiner Rechte bedeuten.

"Die Deutschen hassen Unordnung, daher passt diese ordentliche Regelung sehr gut zu ihnen," fügte Herr Bloch hinzu.

Als Folge davon werden viele Eltern davon abgehalten, ihre Kinder zu sehen, oft auf Jahre hinaus.

Im Januar 1996 nahm Michael Hickmans Frau Nicola die zwei Kinder John Michael und Sebastian mit zurück nach Deutschland.

Seit damals kämpft Herr Hickman vergeblich gegen die Gerichte, um wenigstens Zugang zu seinen heute 11- und acht-jährigen Kindern zu erhalten.

Er hat bisher 150'000 Pfund [240'000 Euro] ausgegeben für Versuche, seine Kinder zurückzuholen, und sein Geschäft ist fast zusammengebrochen. Als er einmal versuchte, sie im Hause seiner Schwiegereltern zu besuchen, kam bewaffnete Bereitschaftspolizei und nahm ihn fest.

Die wenigen Male, wo er es schaffte, seine Kinder beim örtlichen Jugendamt zu sehen, hätten sie in schnellem Geflüster gesprochen, und sie seien verzweifelt und wie gelähmt gewesen wegen der Sozialarbeiter, die sich während der kurzen Sitzungen dazusetzten. Daher hörte er auf, sich um weitere Sitzungen zu bemühen.

Die Eltern haben Zuflucht zum Hungern als letztem Ausweg genommen, fügte er hinzu.

"Da alles andere gescheitert ist, ist unser Hungerstreik der einzige Weg, der uns bleibt, um Gerechtigkeit zu erlangen im unmenschlichsten System der Welt."

Die deutschen Medien haben den Hungerstreik so gut wie ignoriert. Die Eltern sagen, dass die Fernsehanstalten von der Regierung unter Druck gesetzt wurden, die Geschichte nicht zu senden.

Übersetzung: C. Gut