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Abgewiesene Eltern zum Fasten getrieben
Hungerstreik sagt der Sorgerechtspraxis der deutschen Gerichte
den Kampf an
Von Kate Connolly in Berlin
Michael Hickman hat 23 Tage lang nichts gegessen. Übernächtigt
und mager erzählt er seine schmerzhafte Geschichte zum
x-ten Mal, obwohl es seinen Zorn nicht besänftigt.
Auf einem Kunststoffschild um seinen Hals steht: '2018, 3'.
Der 48-jährige südafrikanische Umwelt-Manager verlor
seine Kinder vor fünfeinhalb Jahren - oder 2'018 Tagen
- , als seine deutsche Frau sie nach Deutschland mitnahm.
Seither hat er sie nur dreimal gesehen - daher die '3'.
Und es gibt kaum Anzeichen dafür, dass das deutsche
Justizsystem sie ihm je zurückgeben wird.
Herr Hickman ist einer von etwa zwei dutzend Eltern, die
mehr als drei Wochen im Hungerstreik auf dem Alexanderplatz
in Berlin verbracht haben, im Bestreben, Deutschland zu beschämen,
damit ihnen der Zugang zu ihren Kindern erlaubt wird, die
alle im Streit um das Sorgerecht genommen wurden.
Die Eltern stammen aus Kanada, Kroatien, Thailand, Frankreich,
Polen, Südafrika, den USA und Deutschland, drei davon
sind Mütter. Sie sagen, dass sie hungern werden, bis
sie Anzeichen dafür sehen, dass die Regierung sich für
ihre Notlage interessiert.
Deutschland wird beschuldigt, internationale Verträge
über die Rechte des Kindes beständig zu verletzen
- vor allem die Haager Konvention, welche es 1990 ratifizierte.
Die Konvention besagt, dass ausländische Gerichte entführte
Kinder an ihre sorgeberechtigten Elternteile zurückgeben
müssen.
Nach Angaben des statistischen Landesamtes sehen 50% der
150'000 in Deutschland in einen Sorgerechtsstreit verwickelten
Kinder einen ihrer Elternteile im Laufe des ersten Jahres
nicht.
Nach dem dritten Jahr steigt die Zahl auf 70%.
Die Anwälte der Eltern legen dar, dass es in Deutschland
keine allgemeine Einsicht gibt, dass ein Kind nach einer Scheidung
Zugang zu beiden Eltern braucht.
Das Ergebnis ist, dass - obwohl das Konzept und die Vorteile
des gemeinsamen Sorgerechts im Familiengesetzt von 1998 eingetragen
sind - die Gerichte es in der Praxis vorziehen, das Eineltern-Sorgerecht
zu verfügen, besonders in Fällen von Ausländern
mit deutschem Ehepartner.
"Es gibt eine vorherrschende unmenschliche Sicht der
Familie, die zeigt, dass dies immer noch eine totalitäre
Gesellschaft ist," sagte Matthias Bloch, ein Anwalt für
Familienrecht, der im Auftrag einiger der streikenden Eltern
kämpft. "Wenn die Familie wegen einer Scheidung
zerbricht, so ist der bevorzugte Gedanke, eine völlig
neue Einheit herzustellen."
Das Kind kann gezwungen werden, seinen Namen in den eines
neuen Partners umzuändern, welcher als der oder die "soziale"
Vater oder Mutter beschrieben wird, und der alte Partner wird
aus der Einheit ausgeschlossen. Jeder Versuch des alten Partners,
diese Ordnung zu stören, kann eine weitere Kürzung
seiner Rechte bedeuten.
"Die Deutschen hassen Unordnung, daher passt diese ordentliche
Regelung sehr gut zu ihnen," fügte Herr Bloch hinzu.
Als Folge davon werden viele Eltern davon abgehalten, ihre
Kinder zu sehen, oft auf Jahre hinaus.
Im Januar 1996 nahm Michael Hickmans Frau Nicola die zwei
Kinder John Michael und Sebastian mit zurück nach Deutschland.
Seit damals kämpft Herr Hickman vergeblich gegen die
Gerichte, um wenigstens Zugang zu seinen heute 11- und acht-jährigen
Kindern zu erhalten.
Er hat bisher 150'000 Pfund [240'000 Euro] ausgegeben für
Versuche, seine Kinder zurückzuholen, und sein Geschäft
ist fast zusammengebrochen. Als er einmal versuchte, sie im
Hause seiner Schwiegereltern zu besuchen, kam bewaffnete Bereitschaftspolizei
und nahm ihn fest.
Die wenigen Male, wo er es schaffte, seine Kinder beim örtlichen
Jugendamt zu sehen, hätten sie in schnellem Geflüster
gesprochen, und sie seien verzweifelt und wie gelähmt
gewesen wegen der Sozialarbeiter, die sich während der
kurzen Sitzungen dazusetzten. Daher hörte er auf, sich
um weitere Sitzungen zu bemühen.
Die Eltern haben Zuflucht zum Hungern als letztem Ausweg
genommen, fügte er hinzu.
"Da alles andere gescheitert ist, ist unser Hungerstreik
der einzige Weg, der uns bleibt, um Gerechtigkeit zu erlangen
im unmenschlichsten System der Welt."
Die deutschen Medien haben den Hungerstreik so gut wie ignoriert.
Die Eltern sagen, dass die Fernsehanstalten von der Regierung
unter Druck gesetzt wurden, die Geschichte nicht zu senden.
Übersetzung: C. Gut
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